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Willkommen beim BCH SG-Appenzell

Der BCH ist die Organisation der Berufsfachschullehrpersonen aller Fachbereiche der Kantone St. Gallen und Appenzell. Er vertritt deren standes- und bildungspolitische Interessen gegenüber den Behörden. Unsere Website gibt Ihnen einen Einblick in unsere Tätigkeit. Zögern Sie nicht, mit uns in Kontakt zu treten, falls Ihr Rundgang durch unsere Seiten noch Fragen offen lässt.

Aktuell beschäftigt uns ein Sparpaket der St. Galler Regierung. Am 2. Dezember 2025 hat der Kantonsrat zahlreiche einschneidenden Sparmassnahmen beschlossen, auch für die Berufsbildung. So ist z.B. die Einführung eines neuen Lohnsystems und die Angleichung der IWB an die Volksschule geplant. Alle geplanten Massnahmen gehen einher mit spürbaren Verschlechterungen der Anstellungsbedingungen für Berufsschullehrpersonen.

Regierungsrätin Bettina Surber versprach uns in der Kantonsratsdebatte den Einbezug in die Umsetzung der Sparbeschlüsse. Nun sind 3 Monate vergangen und wir haben weder von Ihr noch vom General-sekretariat irgend etwas gehört. Auch das ABB weiss nicht, wann es weitergehen wird. So nutzt der BCH SG-Appenzell die Zeit und wendet sich mit einem offenen Brief an die Regierungsrätin. Das Schreiben ist am 2. März 2026 beim Bildungsdepartement eingegangen. Hier der Wortlaut:

Umsetzung ‘NELO light’ – offener Brief

Sehr geehrte Frau Regierungsrätin, liebe Bettina

Ende 2025 beschloss unser Kantonsrat umfassende Sparmassnahmen. Darüber hinaus beauftragte er die Regierung, im laufenden Jahr weitere Sparvorschläge auszuarbeiten. Zusammen mit den anderen Berufsverbänden hatte sich der BCH an vorderster Front gegen diese Politik gewehrt, vorerst erfolglos. Immerhin versprachst du uns in der parlamentarischen Debatte den Einbezug in die Beratungen zur Umsetzung der Sparmassnahmen. Nun sind drei Monate vergangen und wir haben noch nichts von deiner Seite bzw. seitens des Generalsekretariats gehört. So nutzen wir diese Ungewissheit, um dir unsere diesbezüglichen Anliegen mitzuteilen.

Unser wichtigstes Anliegen ist über 20 Jahre alt und verbunden mit einem Versprechen des damaligen Erziehungsdirektors Hans Ulrich Stöckling. 2008 erklärte er unserem Verband gegenüber, dass die schrittweise Gleichstellung der Berufsfachschullehrpersonen mit den Mittelschullehrpersonen in naher Zukunft abgeschlossen werde. Damit warb er für Verständnis dafür, dass das Gros der Berufsfachschullehrpersonen im Vollpensum für eine gewisse Zeit noch zwei Lektionen mehr unterrichten werden müsse als Ihre Kolleginnen und Kollegen an den Mittelschulen des Kantons.  Das sind 8% Lohnunterschied. Die Umsetzung von ‘NELO light’ bietet nun die richtige Gelegenheit, diese Gleichstellung zum Abschluss zu bringen. Ohne die Leistung der Mittelschullehrpersonen schmälern zu wollen sei daran erinnert:

  • Die duale Berufsbildung repräsentiert den Kanton St. Gallen in besonderer Weise. So hat die Regierung im Rahmen der Schwerpunktplanung 2025-2035 eine entsprechende Absichtserklärung unter dem Titel 'Berufsbildung stärken‘ beschlossen. Unter diesen Umständen ist die Weiterführung der Schlechterstellung aus unserer Sicht nicht vertretbar.
  • Die Arbeitsbelastung der beiden Berufsgruppen ist vergleichbar. Zwar ist der Vorbereitungsaufwand der Berufsfachschullehrpersonen möglichweise im Durchschnitt etwas geringer (Urteil des kantonalen Verwaltungsgerichts vom 13.3.2008, Fall-Nr. 2007/4). Dies wird jedoch überkompensiert durch andere Belastungs-Faktoren wie Heterogenität der Lernenden, durchschnittlich mehr Klassen, Erfordernisse der Integration, Zusammenwirken mit anderen Ausbildungsträgern oder dynamischere Veränderung der Unterrichtsinhalte.
  • 20 Jahre sind genug! Die Berufsfachschullehrpersonen haben lange zugewartet und diese Lohndiskriminierung aus immer wieder anderen Gründen akzeptiert. Wir als Verband bekommen klare Signale seitens unserer Mitglieder, deren Zahl jüngst deutlich angestiegen ist, hier zu intervenieren.

Unser zweites Anliegen gilt den Lehrpersonen der Berufskunde, den Fachlehrpersonen, die in besonderer Weise den Charakter des dualen Berufsbildungssystems repräsentieren. Mehrere geplante Sparmassnahmen beschädigen, ohne entsprechende Vorkehrungen, ausgerechnet deren Anstellungsbedingungen einseitig. Eine vermutlich unbeabsichtigte Schlechterstellung der Fachlehrpersonen muss vermieden werden. Warum befürchten wir eine solche?

Zum einen orientiert sich die Aufteilung der Intensivweiterbildung IWB an der klassischen Lehrerlaufbahn, die irgendwo Mitte 20 beginnt. Die Lehrpersonen der Berufskunde kommen jedoch aus der Berufswelt und steigen klassischerweise Mitte 30 oder später ein. Der gestaffelte Bezug der IWB nach z.B. 15 bzw. 25 Dienstjahren und vor dem 56. Altersjahr ist dann oftmals gar nicht mehr möglich.

NELO stellt bei der individuellen Einordnung in die gegebenen Lohnbänder bzw. deren Festlegung erheblich auf erforderliche Bildungsabschlüsse ab (Bachelor, Master etc.). Naturgemäss verfügen Lehrpersonen der Berufskunde nicht über entsprechende tertiäre Bildungsabschlüsse, weil es diese gar nicht gibt. Dafür verfügen sie über viel Berufserfahrung, die sie in ihren Unterricht einspeisen. Es muss sichergestellt werden, dass man hier nicht in alte Fahrwasser bzw. eine spezifische Form der Akademisierungsfalle gerät.

Sinnvoll erscheint uns daher die Einsetzung einer paritätischen Kommission Arbeitgeber (hier BLD) und Arbeitnehmer (hier BCH und KMV) zur Ausgestaltung der Umsetzung der Sparmassnahmen, so wie das in den anderen Departementen gemacht wurde. (Möglicherweise ist dies ja bereits in Planung.)

Wir bedanken uns im Namen unserer über 300 Mitglieder bei dir, Bettina, für die wohl-wollende Kenntnisnahme dieser Anliegen und sichern dir unsere Zusammenarbeit zu. Wir hoffen, schon bald von dir zu hören, damit wir unsere Mitglieder entsprechend informieren können. Denn seitens der Lehrpersonen besteht ein wachsendes Informationsmanko. [Ende des Schreibens]

Wir wehrten uns entschieden gegen diesen Abbau! Mit einer Petition und auf der Strasse - online und offline - überall! Am 1. Dezember wurden dem Kantonsrat 5470 Unterschriften gegen das Sparpaket überreicht. Leider hat alles nichts genützt. Der Kantonsrat hat die entsprechenden Streichungsanträge allesamt abgelehnt und die Sparmassnahmen angenommen.

Nach dem Kampf ist vor dem Kampf, denn jetzt wird es darum gehen, in Verhandlungen mit dem Bildungsdepartement für die Interessen der Berufsfachschul- und Berufsmittelschullehrpersonen das maximal Mögliche herauszuholen. Dass dieser Kampf auch kein leichter werden wird, darauf gab uns das St. Galler Tagblatt einen kleinen Vorgeschmack. In selten polemischer Weise bediente Chefredaktor Stefan Schmid Ressentiment gegenüber uns Lehrpersonen. Und dies notabene am Eröffnungstag der Session. Immerhin zeigte sich das Tagblatt bereit, eine Replik noch während der laufenden Session - aber doch zu spät - abzudrucken.

BCH St. Gallen - Appenzell
Christian Arnold, Präsident